Zu Berthold Schneiders Abschied vom Saarländischen Staatstheater schrieb die Saarbrücker Zeitung am 28.6.2012:

Die unstillbare Lust auf Neues

Sechs Jahre verantwortete Berthold Schneider das Saarbrücker Opernprogramm. Als Operndirektor hat Berthold Schneider am Staatstheater Akzente gesetzt – im Repertoire, vor allem aber mit raren Werken. Jetzt geht er zurück nach Berlin und arbeitet künftig für die English National Opera. Von SZ-Redakteur O. Schwambach

Große Oper zum Finale: Gut, als Operndirektor darf man das fast erwarten. Dennoch, für Berthold Schneider runden sich damit kommenden Sonntag die sechs Spielzeiten, die er am Saarländischen Staatstheater (SST) das Musiktheater bestimmte, ideal. Ein selbst gewählter Abschied für Schneider, hoch zufrieden über das Erreichte, und glücklich auch, dass seine Nachfolgerin, Brigitte Heusinger, wohl an seine Linie anknüpfen will. „Am Sonntag setze ich mich in ‚Eugen Onegin' – und genieße“, sagt Schneider jedenfalls. Aber blättern wir nochmal den eben abgelaufenen Spielplan auf: Vorgestern die „Rocky Horror Show“, das dauerausverkaufte Musical, im April und Mai noch Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexico“, zum Sechzigsten des unermüdlichen Neutöners. „Das umfasst gut, was mir hier wichtig war“, meint Schneider. Überraschend vielleicht für einen, den viele Theatergäste als Mann des zeitgenössischen, des unkonventionellen Musiktheaters sahen. Stimmt ja auch. Mit der Reihe „echtzeit“ hat er die unstillbare Lust auf Neues sogar explizit in den Spielplan geschrieben. Hochspannendes, Unerhörtes kam da auf die Bühne: die zeitgenössische US-Oper „Doctor Atomic“ etwa (diese SST-Produktion ging 2011 sogar nach Helsinki), aber auch die „Florentiner Intermedien“ aus vorbarocker Zeit mit Alte-Musik-Spezialist Konrad Junghänel am Pult und Schuberts Indien-Opernfragment „Sakontala“, das Schneider selbst inszenierte. Ein mutiges Programm für eine Bühne, die ja auch ihre Repertoirepflichten ernst nimmt. Dieser Mut wurde übrigens sogar mit einem Preis der deutschen Theaterverlage für das beste Opernprogramm belohnt. Doch Schneider plädiert genauso vehement für die „Rocky Horror Show“, weil die in dieser „Qualität“ in Deutschland – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur an einem der öffentlich geförderten Häuser möglich sei. Ja, „Qualität“ ist sein Stichwort, auch bei den über die Jahre exzellenten Sänger-Besetzungen. Das trieb ihn an. Aber auch, die Institution Staatstheater gemeinsam mit Intendantin Dagmar Schlingmann, mit der er „auch in Zukunft jederzeit wieder zusammenarbeiten würde“, zu öffnen für Kooperationen. Sechs Jahre war Schneider jetzt hier. Nun wollte er sich eigentlich ein Sabbatjahr gönnen, um in Berlin, der Stadt, in der er mehr als einen Koffer hat, weil seine Frau, die Bildende Künstlerin Veronika Witte, dort lebt, mal Zeit zu haben. Doch es wird nun wohl doch ein arbeitsreiches Jahr. Die English National Opera hat ihm ein Angebot gemacht, für sie nach Kooperationsmöglichkeiten auf dem Kontinent zu suchen. Viel wird Schneider nun unterwegs sein, Eindrücke sammeln – vielleicht ja auch für eine neue feste Stelle. Irgendwann.

Premierenapplaus bei Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexico“. Zur Premiere kam der Komponist persönlich nach Saarbrücken.


Die beste Rocky-Horror-Show, die es je auf deutschen Bühnen zu sehen gab, sagen viele.

Regie führte Sebastian Welker, Musikalische Leitung: Frank Nimsgern

Hier die komplette Rezension: http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/saa_roc_her_111008.htm


Berthold Schneider verlässt das Saarländische Staatstheater – eine Bilanz des Saarländischen Rundfunks auf SR 2

Ankündigung der Sendung auf sr-online: Der äußerst erfolgreiche Operndirektor des Saarländischen Staatstheaters, Berthold Schneider, wird seinen Vertrag nicht über 2012 hinaus verlängern. Er möchte sich auf eigenen Wunsch "nach dann sechs künstlerisch äußerst erfüll­ten Jahren im Saarland neuen Herausforderungen stellen". Generalintendantin Dagmar Schlingmann zeigte Verständnis für Schneiders Entscheidung. SR 2 KulturRadio hat mit SR 2-Musikchef Dr. Friedrich Spangemacher über die Personalie gesprochen. Autor: Jochen Marmit, Länge: 00:04:38, Sendedatum: 10.02.2011

Operndirektor Berthold Schneider wird seinen Vertrag nicht über 2012 hinaus verlängern. Am gestrigen Nachmittag ging diese Mitteilung an die Medien her­aus. Verwunderung aller Orten und natürlich die Frage: Warum geht Schneider, wo er doch auf erfolgreiche Jahre zurückblicken kann? Das habe ich heute morgen die Generalintendantin Dagmar Schlingmann gefragt: Was ist der Be­weggrund von Berthold Schneider, nicht zu verlängern?

Dagmar Schlingmann: „Berthold Schneider hat sehr, sehr gute Arbeit gemacht in Saarbrücken und so etwas strahlt natürlich aus. Ich denke, er hat sehr, sehr gute Chancen weiterzukommen und er ist ja auch noch recht jung. Ich denke, er möchte jetzt einfach seine Karriere ausbauen und sich neuen Herausforde­rungen stellen.“

Mit Mitte Vierzig ist das natürlich ein guter Zeitpunkt, dies zu tun. Schaut man auf die Erfolge des Operndirektors: Unter anderem die Auszeichnung für das beste Opernprogramm im deutschsprachigen Raum sowie erstmalige Nominie­rungen für den renommierten FAUST-Theaterpeis und zum Opernhaus des Jah­res. Somit dürfte die Suche nach einem Nachfolger recht anspruchsvoll wer­den. Ob schon sondiert wird, habe ich Dagmar Schlingmann gefragt.

Dagmar Schlingmann: „Nein, noch nicht. Das ist ja eine heikle Sache. Ich den­ke, da muss ich jetzt schon jemanden sehr guten finden. Man hat natürlich Leute im Kopf und muss jetzt das Gespräch suchen. So etwas braucht auch Zeit.“

Wir werden dann also sehen, ob der Nachfolger dann vielleicht einen ganz neu­en Einfluss nach Saarbrücken mit sich bringen wird. Es gibt eine Einschätzung von unserem SR 2 Musikchef. Herr Spangemacher, was zeichnet Operndirektor Berthold Schneider denn eigentlich aus?

Friedrich Spangemacher: „Eine sehr kluge Repertoirepolitik, die den Möglich­keiten des Hauses sehr entgegen kam, die aber wie wir wissen auch sehr stark nach draußen ausgestrahlt hat: Das Opernhaus in Saarbrücken wurde in den letzten Jahren mehrfach ausgezeichnet. Man kann schon sagen, die Jahre mit Schneider waren Sternstunden des Saarländischen Musiktheaters. Er hat Alte Musik auf die Bühne gebracht, was gar nicht so viele Bühnen in Deutschland machen. Aber hat auch sehr viel Neue Musik auf die Bühne gebracht. Zum Beispiel zwei Opern die kurz zuvor u.a. an der New Yorker Metropolitan Opera uraufgeführt wurden: Das waren von Tan Dun „Der erste Kaiser“ und von John Adams „Doctor Atomic“. Das sind natürlich Fische, wo jeder Operndirektor sich freuen kann, sie an Land zu ziehen. Und er hat natürlich auch viele Dinge neu entdeckt.“

Ich kann mich erinnern, dass Tan Dun sogar selbst vor Ort war, als die Oper dann aufgeführt wurde. Was bedeutet es nun für das Theater, dass der Mann geht?

Friedrich Spangemacher: „Ich denke, das wird ein herber Verlust sein. Ich habe schon eben davon gesprochen, dass ich die Jahre mit ihm für eine Stern­stunde halte. Vorher hat es natürlich auch einige interessante Aufführungen gegeben. Aber die Repertoirepolitik ist nie so spannend gewesen. Das wird ein Verlust sein, da bin ich sicher.“

Wie prägt ein Operndirektor eigentlich das Operngeschehen an einem Haus?

Friedrich Spangemacher: „Er wählt das Repertoire aus und er schaut ob die ei­genen Kräfte des Hauses – Ensemble, Chor, Orchester – das bewältigen kön­nen, macht vielleicht den einen oder anderen klugen Zug bei den Solisten, was Schneider immer mit sehr guter Hand gemacht hat. Und er wählt junge, gute und bezahlbare Regisseure und Bühnenbildner – man darf ja nicht verkennen, dass Schneider angefangen hat, als man gerade das Budget des Theaters drastisch gekürzt hatte.“

Wird es schwer sein, gleichwertigen Ersatz nach Saarbrücken zu bekommen?

Friedrich Spangemacher: „Ich kenne mich in der Szene der Operndirektoren nicht so gut aus – das ist ja wie bei Trainern in der Bundesliga – wer vielleicht gerade frei ist oder darüber nachdenkt zu wechseln. Ich denke es wird schwer sein, denn die Bedingungen, die hier am Haus gegeben sind, und die Schnei­der fantastisch umgesetzt hat, das muss jemand anders erst einmal machen.“

Das heißt auch mit den Geldern, die eingespart werden müssen zurecht kommen und dann eben die Qualität noch hochhalten zu können.

Friedrich Spangemacher: „Exakt, so ist es.“


Download ausgewählter Rezensionen

Einstein on the Beach, Kritik in Opera

Der Ring des Nibelungen - Abenteuer in Stereo, Kritik in taz

Deutsche Nacht - Russische Nacht, Bericht im Mannheimer Morgen


In der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt wurden die Leistungen der Opernsparte des Saarländischen Staatstheaters in bislang unbekanntem Maß gewürdigt. Besonders hervorzuheben ist die erstmalige Nominierung des Saarländischen Staatstheaters als 'Opernhaus des Jahres'.

Im einzelnen wurden das SST bzw. Künstler und Werke, die mit dem SST in enger Verbindung stehen, in folgenden Kategorien für die beste Jahresleistung nominiert:

Eine große Anerkennung der an der Saarbrücker Oper in der letzten Spielzeit geleisteten Arbeit stellt die ersmalige Nominierung als 'Opernhaus des Jahres' dar. Eine solche Würdigung für ein Haus am Rand der bekannten Pfade des internationalen Musikbetriebs darf als kleine Sensation gewertet werden. Mit dieser Nennung wird die Vergleichbarkeit von Aufführungen des SST mit denen ebenfalls nominierter Häuser wie der Opéra Bastille in Paris oder den Opern in Zürich, Basel oder München dokumentiert. Darüber hinaus wurden die Bemühungen des SST um wichtige Neuentdeckungen und Erstaufführungen durch die Nominierung der Deutschen Erstaufführung von Alessandro Scarlattis Barockoper 'Il Tigrane' als 'Wiederentdeckung des Jahres' gewürdigt. Ausdrückliche lobende Erwähnung fand auch, dass die Oper 'Der erste Kaiser' von Tan Dun am SST erstmals im deutschen Repertoire zu erleben war. Regisseur Denis Krief, der 'Der erste Kaiser' in der vergangenen Spielzeit am SST inszenierte, wurde für seine Regie von 'Nabucco' in der Arena von Verona als 'Bester Regisseur des Jahres' nominiert. Konrad Junghänel, der im Juni 2010 am SST die Musikalische Leitung der Oper 'Dido und Aeneas' übernehmen wird, wurde für seine 'Armida' an der Komischen Oper Berlin als 'Bester Dirigent des Jahres' nominiert.

Im medialen Bereich wurde die neu herausgekommene DVD der Oper 'Doctor Atomic' in der Regie von Peter Sellars von gleich drei Kritikern als wichtigste DVD-Veröffentlichung bewertet. Diese Oper wird ab Februar 2010 als Deutsche Erstaufführung am SST zu erleben sein. Besondere Erwähnung fanden auch "die bemerkenstwerten Produktionen des DVD-Labels 'Arthaus' in Zusammenarbeit mit mittleren Bühnen", unter denen auch die Saarbrücker DVD von 'Eis und Stahl' zu finden ist.


Mit seiner Spielplangestaltung ist Saarbrücken derzeit eines der interessantesten Musiktheater im Land.
Deutschlandfunk, Mai 2009

Die Musiksparte des Saarländischen Staatstheaters ist vom Verband Deutsche Bühnen- und Medienverlage mit dem Theaterpreis 2008 ausgezeichnet worden. Die Verlage würdigen damit den "ambitionierten und abwechslungsreichen Spielplan des zukunftsorientierten Musiktheaters", vor allem ein Verdienst des Operndirektors Berthold Schneider.
Die Deutsche Bühne, Februar 2009

Vor allem im Musiktheater des Saarländischen Staatstheaters wird unter der Ägide von Operndirektor Berthold Schneider Bahnbrechendes geleistet. Nach der Entdeckung der russischen Revolutionsoper "Eis und Stahl" von Vladimir Deschevov und den sogenannten "Florentiner Intermedien" von 1589 hat das Haus gerade der New Yorker Metropolitan Opera die Zweitaufführungsrechte für Tan Duns "Der Erste Kaiser" abgerungen. Das sind Energieschübe, die sich auch auf das Saarländische Staatsorchester auswirken.
Das Orchester, Februar 2009

Mit Aufsehen erregenden Produktionen ist es (...) in den letzten zwei Jahren gelungen, überregionale und internationale Aufmerksamkeit auf das Saarländische Staatstheater zu ziehen.
Das Opernglas, Juni 2008

I would like to have my own and the Berlin-version being presented in New York at the same time.
Bob Wilson in Die Opernwelt November 2001 über Berthold Schneiders Inszenierung von "Einstein on the Beach" an der staatsbankberlin.

Hörens-, sehens- und diskussionswert.
Der Spiegel Mai 1999 über die Oper "The smiling Carcass" von Andrea Molino (Musik) und Berthold Schneider (Libretto)